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Literatones e.K.

Gerd Berghofer

Verlag & Medienagentur

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Das Wesen der Bohrmaschine

Nahezu jeder Mann ist im Besitz einer Bohrmaschine. In jedem gut sortierten Haushalt findet sich eine. Haben Sie sich schon einmal gefragt, wie der Nutzen dieser Bohrmaschine aussieht? Die fröhlich dahinlebenden Statistiker haben‘s gemacht und man fand heraus, dass die Bohrmaschine, die gemeine, rund 13 Minuten pro Jahr genutzt wird. Das ist total ineffektiv. Deshalb wird neuerdings dazu geraten, dass sich mehrere gleich gesinnte wie gleich gewillte Leute zusammentun sollten, um eine Bohrmaschine gemeinsam zu erwerben und zu besitzen. Doch damit fangen die Probleme eigentlich erst an. Erstens muss man klären, wer sie hat, wenn man sie spontan mal braucht. Stellen Sie sich vor, die Wand im Hause schreit nach einem Loch, oder Ihre Frau gab Ihnen eine unmissverständliche Anweisung, und Sie haben dann keine Bohrmaschine ad hoc verfügbar, um den kleinen Wünschen Ihrer kleinen Frau sofort klein beizugeben. Schwerwiegende Krisen im Zusammenleben zwischen Mann und Frau sollen schon daraus entstanden sein, weil der Mann den Wünschen seiner Frau nicht nachkam. Oder weil die Bohrmaschine nicht einsatzbereit war. Oder weil er keinen passenden Bohrer hatte. Es gibt Momente, da kommt es im Leben eines Mannes eben doch auf den Bohrer und eventuell sogar auf die Länge an. Die des Bohrers. Aber bei Bohrern eigentlich mehr auf die Stärke. Also die Dicke. Ja, schon, da müssen Sie gar nicht anzüglich grinsen! Versuchen Sie mal ein 10er Loch mit einem 6er Bohrer zu bohren. Oder ein 6er Loch mit einem 10er Bohrer. Da müssen Sie nicht Physik studiert haben. Also, um zum Thema zurückzukommen: Mann will seinen Bohrer und seine Bohrmaschine immer parat haben. Fast am Mann tragen. Deshalb hat auch jeder Mann, der etwas auf sich hält, eine Bohrmaschine. Da schwingt etwas Libidinöses mit, glauben Sie mir, Psychologen haben an sowas Freude. Und so wie ein Mann seine Frau nicht verleiht, verleiht er nur äußerst ungern eine Bohrmaschine. Eine Bohrmaschine hat allerdings gegenüber einer Frau den Vorteil, dass sie auf Knopfdruck das tut, was man sagt. Linksrum. Rechtsrum. Bohren. Hämmern. Sowas lässt den Mann alle Emanzipationsbestrebungen vergessen, zumindest solange, bis die nächsten Anweisungen kommen. Die Bohrmaschine, das haben Psychologen herausgefunden, vermittelt dem Mann das Gefühl, Herr im Haus zu sein und der Frau das Gefühl, Macht über ihren Gatten zu haben. Könige hatten früher ein Zepter und trugen eine Königin auf den Händen, heute tragen sie eben eine Bohrmaschine. Deswegen ist das mit dem "Sharing" auch ganz schlecht. Denn erstens kann man ohne Bohrmaschine nicht King of Keller spielen, und zweitens: Wenn man seine Bohrmaschine teilt, dann hat man Sie eben sehr sicher nicht, wenn man sie braucht. Dann telefoniert man herum und fragt, wer sie gerade hat. Und hat man herausgefunden, wer sie gerade hat, dann funktioniert sie vermutlich nicht. Und keiner der Beteiligten ist‘s nachher gewesen. So sehen die Horrorszenarien des Bohrmaschinensharings aus, wie man so etwas neudeutsch nennt. Aber irgendwie - 13 Minuten im Jahr - das ist schon nicht sonderlich viel. Wenn man da nicht "sharen" will, sollte man den Nutzen erhöhen und einfach mal ein paar Löcher mehr bohren. Bohren Sie statt einem Loch halt künftig drei. Eins für den Dübel und zwei zur Dekoration oder für die Statistik. Außerdem wissen Sie heute noch gar nicht, wofür zwei Löcher in der Wand morgen gut sein können. Damit würden Sie statistisch die Zeit verdreifachen, so milchmädchenmäßig gerechnet. Dann hätten Sie 39 Minuten. Ist auch nicht umwerfend. Es gibt Menschen, die verbringen so viel Zeit pro Tag auf dem Topf. Sie könnten aber auch, in einem Anflug von Selbstlosigkeit vielleicht, ein kleines Inserat aufgeben, im Wochenmarkt oder so. Sie müssten dann aber schon recht eindeutig formulieren, also nicht so schmuddelmäßig "Komme mit meinem Bohrer zu Ihnen nach Hause", sondern vielleicht eher "Bohre Ihre Löcher zuverlässig und schnell. Alle Größen." Oder aber, Sie tun sich doch mit Ihrem Nachbarn zur Linken und/oder zur Rechten zusammen. Aber dann gefällt Ihnen wieder nicht, wie der schon mit seinem Auto umgeht. Das steht immer so ungewaschen in der Einfahrt. Und beim anderen gefällt Ihnen die Nase nicht. Lieber haben Sie ein Trumm, dass die meiste Zeit im Keller hängt und auf seinen Einsatz wartet, ich weiß schon. Sie lassen niemanden an Ihre Bohrmaschine ran. Typisch.