ÜBER GERD BERGHOFER

Nr.1967

Foto: Oliver Heinl

​​​Gerd Berghofer schreibt für sein Leben gerne und rezitiert ebenso gerne Texte. Er gehört zu den glücklichen Menschen, die ihre Neigung zum Beruf machen konnten. Über Schule, Ausbildung, erste und zweite Bildungswege sowie berufliche Tätigkeiten und auch einige Literaturpreise ließe sich hier lange und ausführlich schreiben, nur: Es ist für ihn nicht bedeutsam.

 

Mit seinen Texten ging Berghofer zum ersten Mal 1998 an die Öffentlichkeit und gewann auf Anhieb kurz hintereinander zwei nicht unbedeutende Preise. Dies war der Startschuss für eine noch heute andauernde Karriere, in der unzählige Texte entstanden und in Gedichtbände, Erzählungen, Romane, Biografien, Anthologien, Scetche und auch in Theaterstücke mündeten. Für den Bayerischen Rundfunk schrieb er etliche Hörfunkbeiträge, meist Features. Im Jahr 2006 machte er sich als freiberuflicher Autor selbständig. Desweiteren ist er Kommunen bei der Erstellung und Optimierung ihrer Archivverzeichnisse oder bei Projekten zur geschichtlichen Aufarbeitung behilflich.   

 

Wenn man ihn fragt, was ihm wichtig ist, so ist die altbekannte Antwort: dass ihm seine Neugier erhalten bleibt. Dass er Dingen nachspüren kann, solange er das für richtig hält und bis er glaubt, das lange genug getan zu haben. Wichtig findet er auch die Bringschuld, die er als Künstler gegenüber seinem Publikum hat. Nuschelnde Autoren haben ihn schon immer genervt. Oder klassiche Lesungen an sich: Dort ein Tisch, dahinter ein Autor, der unterm Tisch mit den Füßen zappelt, vor sich ein Glas Wasser, eine Lampe - ein Klischee. Berghofer konnte das alles noch nie leiden. Ein Text hat eine Botschaft. Berghofer spricht am liebsten frei und versucht in seinen Bühnenprogrammen die Literatur zu inszenieren. Er tut dies im Stehen und weil seine Art des Vortrags etwas Besonderes ist, bedarf es auch einer geschulten Stimme. Gerd Berghofer nahm Schauspielunterricht und ließ seine Stimme ausbilden. Er weiß die Sprache und Stimme seitdem als Werkzeug einzusetzen, mit dem er einen Text bearbeiten kann, damit er dem Hörer nahekommt. 

 

​Etliche Hörbücher hat er eingesprochen. Mit seinen Rezitationsprogrammen tourte er durch ganz Deutschland. Insbesondere Schulen wissen seine Programme sehr zu schätzen. Für ihn ist das ein Beitrag zur Hör- und Lesekompetenz.

Im Jahr 2010 erschien die Biografie über den Botaniker Friedrich Merkenschlager. Seitdem recherchierte er die Lebenswege jüdischer Georgensgmünder und schrieb zwei Bücher darüber: "Die Anderen". Begleitet wurde das erste Buch von einer Ausstellung; in Buch und Ausstellung legte Berghofer viel Herzblut. Das Buch wurde ein unglaublicher Erfolg und rauschte sofort in die zweite Auflage. Die Ausstellung hingegen, an nur 10 Tagen geöffnet, lockte über 1.000 Personen an. Die Fortsetzung mit "Die Anderen 2" im Jahr 2017 schloss sich dem nahtlos an. Mittlerweile gibt es auch "Die Anderen 3 - Briefe". Seine klare Haltung gegen Rechtsextremismus ist bekannt. Sein Mut, als Autor auch schwierige Themen aufzugreifen, ebenso.

Seit dem Jahr 2013 schreibt Berghofer regelmäßig seine "Freitagsglosse", die zu einer Kolumne im Hilpoltsteiner Kurier wurde. Mal politisch, mal unpolitisch, manchmal bitter und auch böse. Aber immer trifft der Autor einen Nerv.  In zwei mittlerweile vergriffenen Büchern wurden die Freitagsglossen bis 2016 veröffentlicht. Seitdem werden sie nur noch per Email versendet. Bei Interesse sehen Sie sich die Seite "Freitagsglossen" an. Ihm selbst dienen die Freitagsglossen dazu, Fassung zu gewinnen. Oft genug zu Dingen, die unfassbar scheinen.

Privat verbringt Berghofer seine Zeit am liebsten zuhause in Georgensgmünd - angesichts der vielen Reisen der Vergangenheit verständlich. Er liebt orientalisches und asiatisches Essen, kocht am liebsten selbst und hat eine Schwäche für Kichererbsen und Riesling und schätzt nächtelange Gespräche über Gott und die Welt. Er mag keine Ungerechtigkeiten und auch nur selten Kuchen. Ehrenamtlich engagiert er sich als Archivpfleger der Gemeinde Georgensgmünd, als Führer von Touristen durch den Ort und als Mitglied des Gemeinderats.  Er ist Mitglied in vielen örtlichen Vereinen. Nach seinem Lieblingszitat gefragt, antwortet er gerne mit Schiller: "Wohl dem, der hinnimmt was er nicht ändern kann und mit Würde preisgibt, was er nicht retten kann.

Gerd Berghofer weiß, wie es ist, um sein Leben zu kämpfen, wenn man am "Jordan" steht. Er sagt, dass eine solche Erfahrung demütig macht und die Perspektive verschiebt. Und ihm selbst klarmachte, dass man in bestimmten Bereichen keine Kompromisse machen darf. Dann muss man "ja" sagen, wenn man "ja" meint und "nein", wenn man "nein" meint. Und nicht vielleicht. Eine klare Linie ist ihm zum Lebensprinzip geworden.