ÜBER GERD BERGHOFER

Nr.1967

Foto: Oliver Heinl

​​​Gerd Berghofer schreibt für sein Leben gerne und rezitiert ebenso gerne Texte. Er gehört zu den glücklichen Menschen, die ihre Neigung zum Beruf machen konnten: Publizist und Rezitator. Über Schule, Ausbildung, erste und zweite Bildungswege, Studium sowie berufliche Tätigkeiten und auch einige Literaturpreise ließe sich hier lange und ausführlich schreiben, nur: Es ist für ihn nicht bedeutsam.

 

Am Anfang stand die Kindheit in der Nürnberger Südstadt und der Umzug der Familie - er war 12 - in die Gemeinde Kammerstein. Es war dies ein Kulturschock: Das Südstadtkind, dass in einem Arbeiterviertel der 1970er Jahre aufgewachsen war mit Verkehrslärm und Autoabgasen, fand sich in einem 160-Seelen-Dorf wieder, mir irrsinnig viel Ruhe. Es dauerte seine Zeit, sich umzugewöhnen.  Die ganze Jugend verbrachte er dort und er lernte das Landleben zu schätzen. Ja, sogar lieben.

Der Abschluss der Städtischen Wirtschaftsschule stellte die Weichen zwar in Richtung eines kaufmännischen Berufes, dennoch suchte er, der Familientradition folgend, den Weg ins Handwerk. Später dann lernte er doch noch den Beruf des Industriekaufmanns und schloss die IHK Prüfung mit Note 1 ab. Sein politisches Engagement begann früh, schon mit 16 trat er in die SPD ein, begeistert von deren Geschichte, von Figuren wie Dr. Kurt Schumacher oder Fritz Erler, natürlich auch Willy Brandt, und ein großer Anhänger von Helmut Schmidt. Nach seiner Heirat und Wohnortnahme in Rednitzhembach wurde er dort schnell Ortsvereinsvorsitzender, mit 23 Jahren als einer der jünsten in ganz Bayern. Es gelang ihm im Rahmen einer spektakulären Aktion, über die sogar der "Vorwärts" berichtete, die Mitgliederzahlen explosionsartig zu steigern. Die Ehe, aus der zwei heute erwachsene Söhne hervorgingen, zerbrach allerdings.

 

Die Liebe zu seiner späteren zweiten Frau brachte ihn nach Georgensgmünd. Drei Kinder gingen aus dieser Ehe hervor. Mittlerweile hatte er sich beruflich im Vertrieb erklärungsbedürftiger Produkte etabliert. 1999 erwarb die Familie ein Eigenheim in der Saazer Straße, wo sie noch heute wohnt.

 

Mit seinen Texten ging Berghofer zum ersten Mal 1998 an die Öffentlichkeit und gewann auf Anhieb kurz hintereinander zwei nicht unbedeutende Preise. Dies war der Startschuss für eine noch heute andauernde Karriere, in der unzählige Texte entstanden und in Gedichtbände, Erzählungen, Romane, Biografien, Anthologien, Scetche und auch in Theaterstücke mündeten. Für den Bayerischen Rundfunk schrieb er etliche Hörfunkbeiträge, meist Features. Im Jahr 2006 machte er sich als Freier Autor selbständig. Heute ist er auch Kommunen dabei behilflich, ihre Archivverzeichnisse zu optimieren.  

Wenn man ihn fragt, was ihm wichtig ist, so ist die altbekannte Antwort: dass ihm seine Neugier erhalten bleibt. Dass er Dingen nachspüren kann, solange er das für richtig hält und bis er glaubt, das lange genug getan zu haben. Wichtig findet er auch die Bringschuld, die er als Künstler gegenüber seinem Publikum hat. Nuschelnde Autoren haben ihn schon immer genervt. Oder klassiche Lesungen an sich: Dort ein Tisch, dahinter ein Autor, der unterm Tisch mit den Füßen zappelt, vor sich ein Glas Wasser, eine Lampe - ein Klischee. Berghofer konnte das alles noch nie leiden. Ein Text hat eine Botschaft. Berghofer spricht am liebsten frei und versucht in seinen Bühnenprogrammen die Literatur zu inszenieren. Er tut dies im Stehen und weil seine Art des Vortrags etwas Besonderes ist, bedarf es auch einer geschulten Stimme. Gerd Berghofer nahm Schauspielunterricht und ließ seine Stimme ausbilden. Er weiß die Sprache und Stimme seitdem als Werkzeug einzusetzen, mit dem er einen Text bearbeiten kann, damit er dem Hörer nahekommt. 

 

​Etliche Hörbücher hat er eingesprochen. Mit seinen Rezitationsprogrammen tourte er durch ganz Deutschland. Insbesondere Schulen wissen seine Programme sehr zu schätzen. Für ihn ist das ein Beitrag zur Hör- und Lesekompetenz.

Im Jahr 2010 erschien die Biografie über den Botaniker Friedrich Merkenschlager. Seitdem recherchierte er die Lebenswege jüdischer Georgensgmünder und schrieb zwei Bücher darüber: "Die Anderen". Begleitet wurde das erste Buch von einer Ausstellung; in Buch und Ausstellung legte Berghofer viel Herzblut. Das Buch wurde ein unglaublicher Erfolg und rauschte sofort in die zweite Auflage. Die Ausstellung hingegen, an nur 10 Tagen geöffnet, lockte über 1.000 Personen an. Die Fortsetzung mit "Die Anderen 2" im Jahr 2017 schloss sich dem nahtlos an. Mittlerweile gibt es auch "Die Anderen 3 - Briefe".

Seit dem Jahr 2013 schreibt Berghofer regelmäßig seine "Freitagsglosse", die zu einer Kolumne im Hilpoltsteiner Kurier wurde. Mal politisch, mal unpolitisch, manchmal bitter und auch böse. Aber immer trifft der Autor einen Nerv.  In zwei mittlerweile vergriffenen Büchern wurden die Freitagsglossen bis 2016 veröffentlicht. Seitdem werden sie nur noch per Email versendet. Bei Interesse sehen Sie sich die Seite "Freitagsglossen" an.

Privat verbringt Berghofer seine Zeit am liebsten zuhause in Georgensgmünd - angesichts der vielen Reisen verständlich. Er liebt orientalisches und asiatisches Essen, kocht am liebsten selbst und hat eine Schwäche für Kichererbsen und Riesling. Er mag keine Ungerechtigkeiten und auch nicht sonderlich Kuchen. Ehrenamtlich engagiert er sich als Archivpfleger der Gemeinde Georgensgmünd, als Führer von Touristen durch den Ort und als Mitglied des Gemeinderats.  Er ist Mitglied in vielen örtlichen Vereinen. Nach seinem Lieblingszitat gefragt, antwortet er gerne mit Schiller: "Wohl dem, der hinnimmt was er nicht ändern kann und mit Würde preisgibt, was er nicht retten kann."

Gerd Berghofer weiß, wie es ist, um sein Leben zu kämpfen, wenn man am "Jordan" steht. Er sagt, dass eine solche Erfahrung demütig macht und die Perspektive verschiebt. Und ihm selbst klarmachte, dass man in bestimmten Bereichen keine Kompromisse machen darf. Dann muss man "ja" sagen, wenn man "ja" meint und "nein", wenn man "nein" meint. Und nicht vielleicht.