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Literatones e.K.

Gerd Berghofer

Verlag & Medienagentur

Saazer Straße 4

91166 Georgensgmünd

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leseprobe 1 aus "Die Anderen - wie alles begann"

(...) Wie schon geschildert, war der bäuerliche Haushalt eine Gemeinschaft, in der alle im Haus zumindest bei den Mahlzeiten zusammenkamen und noch gravierender gestaltete sich das Zusammenleben zwischen Mensch und Tier in den Städten, wo Tiere in den Höfen sich mit den Ratten tummelten, wo die Nachttöpfe auf die Straße gekippt wurden und viele Menschen auf engem Raum zusammenlebten. Für den Schwarzen Tod war es ein Fest. Wo die Seuche auftrat, riet man zu nichts anderem als zur schnellen Flucht, was eine umso schnellere Verbreitung der Krankheit mit sich brachte. Oftmals überließ man die Kranken mit etwas Nahrung sich selbst, nicht ganz herzlos, aber ohne jede Zuversicht. Die verängstigten nahen Angehörigen flohen ebenso wie die hilflosen Ärzte. Mit der Seuche veränderte sich das Leben der Menschen. Die Händler schlossen ihre Geschäfte, die Theater ihre Pforten. Die Handwerker besuchten keine Kunden. Man versuchte, sein Leben durch wenige soziale Kontakte zu retten. Kaum wagte man sich noch auf die Straße. Das soziale Gefüge brach auseinander. Die verwaisten Häuser wurden zum Objekt der Begierde für Diebe. Diejenigen und quasi die Einzigen, die tapfer dem Schwarzen Tod entgegentraten, waren die Ordensbrüder. Auch die Deutschordensbrüder. Vermutlich auch jene aus Ellingen. Aus Venedig auf den Handelswegen Richtung Norden kommend, verbreitete sich die Krankheit. Die Handelswege, der wirtschaftliche Segen für diejenigen, die sich an ihren Routen niederließen, wurden jetzt zum Fluch.

Die Überlieferungslage für die Pest in Franken ist mäßig. Forschungsarbeiten über die Region zwischen Weißenburg und Schwabach gibt es nicht. Einzig der Verlauf der Pest in Nürnberg wurde betrachtet, wobei Stadt nicht mit Land gleichzusetzen ist: Nürnberg blieb damals verschont. Man muss bei der Betrachtung von historischen Seuchenzügen und Epidemien allerdings grundsätzlich vorsichtig sein, denn nicht jedes große Sterben war auf „Yersinia pestis“ zurückzuführen, also die von uns heute als Pest bezeichnete Krankheit. Zu gerne und zu leicht deutet man in der Retroperspektive derartige Seuchenzüge falsch. Es lassen sich nur naheliegende Schlüsse ziehen anhand der zeitlichen Abfolge. Auch zur Entstehungsgeschichte der Pest und ihrer Verbreitung gibt es unterschiedliche Theorien. Demnach kam die Gegend um Gmünd glimpflich davon, doch ist nicht zu vergessen, dass Gmünd damals nur aus wenigen Häusern bestand. Man muss aber davon ausgehen, dass auch entlang der beiden Routen nach Norden Kranke zogen. Es dürfte die östliche Strecke, die Venezianerstraße, stärker betroffen gewesen sein, weshalb die Seuche möglicherweise an Gmünd vorbeigezogen sein mag. Es gibt keine Aufzeichnungen darüber aus dieser Zeit. Und so scheinbar unerklärlich, wie die Seuche damals über die Menschen gekommen war, verschwand sie wieder. Mit einem grässlichen Resultat und noch grässlicheren Folgen. Denn alles Elend braucht einen Verursacher, einen Schuldigen.  Den fand man auch.  Es waren die Juden. (...)

​​​​Leseprobe 2 aus "Die Anderen - wie alles begann"

(...) Denn im Bechhofener Gebet für den Landesherrn hat Sussmann sie nicht erwähnt. Bei dem Gmünder Gebet handelt sich um eine größere Textstelle, welche wiederum der in Bechhofen – dort ebenfalls an der Südwand - vergleichbar ist. Der Buchstabenvergleich des langen Textes hebt letzte Zweifel an der Urheberschaft Sussmanns auf. Die Charakteristik ist identisch. Weitere Textfelder waren vorhanden, die Ostwand wurde von Sussmann sogar nahezu komplett mit floraler Ornamentik und mit Schriftzeichen gestaltet, also umrankten Kartuschefeldern. Allerdings wurden diese durch spätere Übermalungen u.a. mit Ölfarbe überwiegend zerstört, so beispielsweise zwei Löwen links und rechts über dem Thoraschrein. Vegetabile Ornamentik zog sich wohl durch die gesamte Synagoge im Bereich der Tür, der Fenster und Sockel. An irgendeiner Stelle, die verloren gegangen ist, hatte Sussmann denn sicher auch seine Signatur angebracht. Insofern ist nicht zu sagen, ob an dieser Synagoge bereits seine Frau mitwirkte oder ob er sie hier in der Gegend vielleicht kennenlernte. Die Urheberschaft des Elieser Sussmann an diesen Malereien ist damit kaum zweifelhaft. Vor allem: Man muss sich vor Augen führen, dass diese Malerei in deutschen Synagogen nicht üblich war. Wie wahrscheinlich ist es also, dass

  • mehrere Maler

  • zur selben Zeit

  • in der selben Region wirkten

  • die im selben Stil malten

  • dieselben Farben verwendeten

  • und dieselbe Technik und

  • dass dies alles in das enge Zeitfenster des Gmünder Synagogenbaus zwischen Bechhofen und Horb fällt?

 

All dies kann man nicht ignorieren. Hinzu kommt: Die Synagoge war 1734 bereits fertiggestellt. Erst 1735 wurde sie eingeweiht. Warum? Weil die Malereien erst nach Fertigstellung und Durchtrocknung des Putzes vorgenommen werden konnten. Unter Einbezug der Tatsache, dass ein Lazar Samuel 1733 in Gmünd auftaucht und – mit Unterbrechungen – bis 1741 hier erwähnt ist, also in der Zeit, da die Synagogen Horb (1735), Unterlimpurg und Steinbach (1737/39) und Kirchheim (Unterfranken, 1739/40) entstanden, so liegt nur die Synagoge von Odenbach (1752) nicht nur zeitlich sondern auch räumlich deutlich außerhalb dieses Betrachtungszeitraums. Lazar Samuel taucht nach 1741 in den Akten nicht mehr auf. Ein Grabstein ist ihm in Gmünd nicht zuzuordnen. Er verschwand ebenso wie Elieser Sussmann. Zufall? Insofern wäre der Gedanke naheliegend, dass er, nachdem die Synagogen im fränkischen Raum ihm kein weiteres Betätigungsfeld mehr boten, fortzog. Ein Sachverhalt verdient der ergänzenden Anmerkung. (...)

490 Seiten, über 100 Abbildungen, Broschur, Preis: 19,80 Euro, zzgl. Versandkosten 2,00 €.

Versandkostenfrei im Gemeindegebiet Georgensgmünd.

Vorbereitungen für die Ausstellung

"Die Anderen - wie alles begann"

Gerd Berghofer, für Konzeption, Inhalt und Layout verantwortlich, im Gespräch mit Georgensgmünds 1. Bürgermeister Ben Schwarz.

 

Am Freitag, 6. Oktober, um 19.30 Uhr wird die Ausstellung eröffnet. Gleichzeitig wird das Buch zur Aus-stellung vorgestellt.

 

Die weiteren Öffnungszeiten können Sie unter "Termine" finden.