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Gerüstet für den Blackout

Liebe Leut',

wenn Sie nun alles besorgt haben, was Sie für einen ordentlichen Blackout benötigen und Ihre Wohnung mittlerweile aussieht wie eine Mischung aus Supermarkt, Ramschlager und Campingplatz, dann dürften Sie Teilnehmer des Spiels sein, das da lautet: "Wer glaubt den Schwarzmalern?" Ich nicht, aber ich trau' mir ja selbst nicht über den Weg, denn ich könnte mich täuschen und all die Leute, die wirklich Ahnung von der Materie haben, auch. Aber geschenkt. Ich habe mir nun extra ein Lagerverwaltungsprogramm besorgt, damit ich überblicken kann, wenn ich den Mindestbestand von 100 Dosen Kichererbsen unterschreite, damit ich keine unliebsamen Überraschungen erlebe, aber erst danach realisiert, dass ich zum Betrieb Strom brauchen würde, ich das Programm aber für den Fall angeschafft habe, keinen Strom zu haben. Damit ich das nun auch ohne Strom nutzen kann, habe ich mir die Bestandszettel ausgedruckt und die Küche damit tapeziert. Ich war schon immer sehr für einen eher puristischen Stil, das kommt mir sehr entgegen. Es wird nur schwierig, den Soll- und den Istbestand abzugleichen, weil die Kichererbsen hinter dem Toilettenpapier gelagert sind, welches ich erst ins Büro räumen müsste, um heranzukommen, was aber bedeuten würde, dass ich die 6 Paletten Mehl anders lagern müsste, die ich gehamstert habe; es ginge in der Garage, die allerdings mit Wasserkästen vollgestopft ist. Wir haben uns nun dazu entschieden, die 658 Rollen Toilettenpapier an der Innenwand des Wohnzimmers aufzustaplen, weil das eine zusätzliche Dämmwirkung haben könnte. Das Innere der Toilettenrollen haben wir dabei mit dem Bestand an getrockneten Linsen aufgefüllt. Aber nur das geblümte Papier. In dem mit dem Rautemuster finden wir künftig die getrockneten Bohnen. Wir merken schon eine gewisse Dämpfung der Akustik, sind aber damit beschäftigt, unsere Hunde davon abzuhalten, nach den Linsen zu suchen. Das aber nur deshalb, weil sie an die 400 geräucherten Bratwürste nicht rankommen, die an der Wohnzimmerdecke angeschraubt sind. Das erzeugt gewissermaßen Flair von Bratwurstregen. Derweil haben wir die westliche Hauswand mit den Dosentomaten dekoriert, links die mit Kräutern und rechts die ohne Kräuter. Der Knoblauch hängt bündelweise in der Küche, weshalb wir auch nicht mit der Heimsuchung durch Vampire rechnen. Den Hohlraum unter dem Sofa haben wir für die Nudeln genutzt. Eine gewisse Schwierigkeit bereiten uns derzeit Besuche. Der letzte Gast hängt noch immer in die quer durch die Wohnung gezogene Wäscheleine verheddert und konnte bisher nicht befreit werden, wobei ihn anscheinend auch noch niemand vermisst hat. Im Augenblick hängt der uns gut und er schmutzt auch nicht arg. Dafür sparen wir uns den Wäschetrockner. Die Dusche wurde zur Behelfsfeuerstelle umfunktioniert, Körperhygiene wird ohnehin überbewertet und da im Falle eines Blackouts sowieso bald alle fröhlich vor sich hinstinken werden, spielt das auch keine große Rolle. Jetzt hoffe ich bloß, dass all die Unkenrufer recht behalten, die vom Blackout reden und dass die nicht nur einen zweistündigen Stromausfall meinen. Denn was ich mit dem ganzen Zeugs mache, wenn kein tagelanger Blackout kommt, weiß ich nicht. Ich denke, dann verkaufe ich mein Haus "blackoutmöbliert" und suche mir ein anderes.

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