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Gerd
Berghofer schreibt für sein Leben gerne. Fast noch lieber
rezitiert er Texte. Aus dem Stegreif heraus könnte er Texte von
Erich Mühsam, Hans Sahl, Wilhelm Busch, Goethe, Schiller,
Ringelnatz und natürlich Heinrich Heine... aber lassen wir das. Er
gehört zu den glücklichen Menschen, die ihre Neigung zum
Beruf machen konnten: Freier Schriftsteller und Rezitator ist er heute.
"Meine Neugier", antwortete er
einem Journalisten in einem Interview auf die Frage, was ihm besonders
wichtig sei. Berghofer
hat das, was ihn interessierte, immer ausprobiert. Er ist
wissbegierig und entdeckungsfreudig genug, immer Neues zu finden,
dem er nachspüren kann. Und das tut er - nach eigener
Aussage - so lange,
bis er glaubt, es lange genug getan zu haben.
Über
Schule, Ausbildung, erste und zweite Bildungswege, Studium sowie
berufliche Tätigkeiten ließe sich hier lange und
ausführlich schreiben - für wen? Berghofer legt keinen Wert
darauf. Dass er mit einigen Preisen
bedacht wurde, zum Beispiel dem Lyrikpreis der Esslinger
Künstlergilde, dem Förderpreis des Autorenverbandes Franken,
dem Lyrikpreis des Freien Deutschen Autoren Verbandes, dem
Schaef-Scheefen-Literaturpreis sowie dem
Elisabeth-Engelhardt-Literaturpreis, findet er nett, aber auch nicht
sonderlich wichtig. Wichtig
hingegen findet er die Bringschuld, die er als Künstler
gegenüber seinem Publikum hat. Nuschelnde Autoren haben ihn schon immer genervt. Oder klassiche Lesungen an sich:
Dort ein Tisch, dahinter ein Autor, der unterm Tisch mit den
Füßen zappelt, vor sich ein Glas Wasser, eine Lampe - ein
einziges Klischee. Berghofer mag das alles nicht. Er liest auch nicht.
Oder nur dann, wenn es wirklich nicht anders geht, weil die Texte einfach viel zu lang sind.
Berghofer spricht. Zumeist frei. Er versucht, die Literatur zu
inszenieren, mit großem Erfolg, wie man hört. Er tut dies im
Stehen und weil
seine Art des Vortrags etwas Besonderes ist, bedarf es auch einer
geschulten
Stimme. Gerd Berghofer nahm Schauspielunterricht und ließ
seine
Stimme ausbilden. Er weiß die Sprache und Stimme seitdem als
Werkzeug
einzusetzen, mit dem er einen Text bearbeiten kann, damit er dem
Hörer nahekommt.
Als
Autor schrieb er bislang
fünf Gedichtbände, veröffentlichte
eine CD mit Gedichten, verknüpft mit Jazzmusik. Er schrieb eine
Erzählung mit dem Titel "Beziehungen und andere Feindschaften".
Etliche Hörbücher hat er eingesprochen; am liebsten mag er
Texte von Edgar Allan Poe. Mit seinen Rezitationsprogrammen tourt
er durch ganz
Deutschland. Insbesondere Schulen wissen seine Programme "Die
verbrannten Dichter" und "Balladen" sowie
"Heinrich Heine-Deutschland, ein Wintermärchen" sehr zu
schätzen. Für ihn ist das ein Beitrag zur Hör- und
Lesekompetenz.Im September 2007 erschien seine Erzählung "Der Tod
der
Feigenverkäuferin - eine Erzählung vom Gardasee". Dr. Karl
Corino, der Juror des Bachmannwettbewerbs, schrieb darüber:
"Solide erzählt". Gibt es für einen Erzähler ein
größeres Lob? Die erste Auflage war sofort vergriffen.
Seitdem hat sich der Publizist mit dem Botaniker Friedrich
Merkenschlager beschäftigt, dessen Biografie im September 2010
erscheint.
Guido Laban
Foto: privat
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